Wie dich deine Selbstsicherheit führt.
Meine erste bewusstseinserweiternde Erfahrung habe ich zusammen mit einem sehr guten Freund vorbereitet und durchgeführt. Währenddessen stellten wir uns gegenseitig Fragen, kamen ins Gespräch und gestalten unsere Rahmenbedingungen gemeinsam.
Diese Erfahrung mit einem anderen Menschen zu teilen, machte es mir möglich, mich selbst in Interaktion wahrzunehmen und zu beobachten.
Denn in der dieser hohen Geschwindigkeit bekam ich das Ergebnis, welches meine Gedanken erzeugten, immer sofort zu spüren.
Währenddessen ich diese Auswirkungen in meinem Alltag (in einer langsameren Geschwindigkeit) ja immer erst einige Zeit später wahrnehmen könnte und dann der Ausgangsituation nicht mehr genau zuordnen konnte.
Auch die Gedanken und daraus folgenden Reaktionen meiner Mitmenschen, haben wir größere Auswirkungen auf mich, als mir bewusst war.
Wir hatten uns beide eine Flasche Wasser zum Trinken abgefüllt. Weil es ein heißer Tag war, waren sie recht schnell leer. Ich beschloss – noch tief in der Erfahrung drin - neues Wasser zu holen und wollte ein Wasserhahn aufsuchen. Das Gelände, auf dem wir uns bewegten, war weitläufig und mir nur mäßig bekannt.
Zielstrebig stand ich auf, nahm meinem Freund seine Flasche ab und ging los. Der Anfang war leicht gemacht. Doch dann kam in mir ein Zweifel auf, ob ich den Weg zurückfinden würde. Umgehend verlor ich jegliche Orientierung.
Mir wurde sofort klar, dass es mein Zweifel war, der mir die Orientierung nahm.
Also beschloss ich, etwas anderes zu denken. Ich sagte mir, dass ich den Weg finden werde, denn so schwer kann das ja nicht sein.
Die Orientierung kam umgehend zurück.
Ich freute mich über diesen Erfolg und ging weiter.
Nach ein paar Metern ging es um eine Ecke und stand jetzt an einem Ort, den ich noch nicht kannte. Wieder kamen Zweifel auf.
Ich verlor erneut die Orientierung.
Jetzt waren die Zweifel so groß, dass ich sie nicht ein einfach von der Hand weisen konnte. Ich traute es mir einfach nicht zu.
Aber mich ihn hinzugeben, das war auch keine Option. Ich hatte ja schon verstanden, dass das mein Scheitern garantieren würde.
Also wählte ich das Nächstliegende, was ich mir zutraute und was mir helfen könnte: umzukehren und mir einzugestehen, dass ich keinen Wasserhahn gefunden habe.
Die Orientierung war wieder da und ich gibt zielstrebig zurück. Beinahe hatte ich es geschafft. Aber nun kam mir mein Freund entgegen, der mich aus der Ferne beobachtete
und sehr aufgeregt reagierte. Er signalisierte mir, dass ich mich in Gefahr fand. Ihm stand die Frage ins Gesicht geschrieben, wie ich überhaupt auf die Idee gekommen sei, zu glauben, ich könne Wasser holen???
Augenblicklich fühlte ich mich schlecht und verlor erneut die Orientierung. Obwohl ich doch gerade noch ganz sicher war, dass ich zurückfinden würde.
Ich hielt inne und reflektierte, warum ich mich schon wieder aufgegeben hatte und mir wurde klar, dass ich mich diesmal von seiner Energie des Zweifels habe anstecken lassen.
Ich verstand, dass es nicht meine Angst war, die ich mir angenommen hatte, sondern seine.
Innerlich trat ich einen Schritt zurück. Jetzt konnte ich mich entscheiden, dass ich seine Angst nicht zu meiner machen wollte.
Ich entschied mich sie abzuwählen und stattdessen für ein herzhaftes Lachen über diese Situation.
Und dann?
Plötzlich sah ich direkt vor mir ein Wasserhahn, ... ich ließ das Wasser einfach in meinen Mund laufen.
Eine weitere Situation spiegelte mir an diesem Tage meine Entscheidungsfreiheit:
Weil der Tag recht heiß war, über 30° und ich wenig getrunken hatte, fühlte ich mich einem Hitzeschlag nahe. Der Blick in den Spiegel verriet mir, dass mein Kopf eine rote Färbung angenommen hatte.
Vor einigen Jahren hatte ich schon mal einen Hitzeschlag auskurierte und daher eine Idee davon, wie er sich anfühlt.
Nach all dem Erlebten des Tages fragte ich mich, ob ich diesen Hitzeschlag abwählen kann?
Oder war es zu spät, denn so langsam befand ich mich ja wieder in der langsamen Geschwindigkeit?
Ich entschied mich, es wenigstens ausprobieren.
Mir wurde klar, dass es nur funktionieren würde, wenn ich selbst davor überzeugt bin, dass es funktionieren würde.
So fragte ich mich zuerst, welchen Nutzen mir der Hitzeschlag bringen könnte?
Und mir kam in den Sinn, dass er mir morgen einen sehr ruhigen und entspannten Tag versprechen würde, an dem ich nicht viel nachdenken könnte und nicht viel darüber reflektieren würde, was heute gewesen ist.
Das würde mir sicher guttun, beschloss ich.
Aber brauche ich dafür einen Hitzeschlag?
Oder könnte ich mir nicht einfach einen ruhigen Tag organisieren und diesen ohne einen Hitzeschlag genießen?
Dafür entschied ich mich.
Und die Auseinandersetzung darüber, welchen Zweck der Hitzeschlag erfüllen könnte half mir dabei, mich gegen ihn entscheiden zu können.
Denn so konnte ich anderweitig für diesen Zweck sorgen und war überzeugt davon, dass ich ihn nicht brauche.
In der Konsequenz hieß das für diesen Moment, dass ich mich den Kopfschmerzen, die mich gerade noch plagten, nicht hingehen werde, sondern meine Heimfahrt wie geplant mit Bus und Bahn antreten würde.
Hätte ich mich hingegen für den Hitzeschlag entschieden, hätte ich mir ein Taxi bestellt, denn alles andere wäre ja verantwortungslos gewesen.
Außerdem wurde mir klar, dass ich meinem Freund nicht vorjammern dürfte, wie ich mich gerade fühle. Denn die Wahrscheinlichkeit wäre recht groß, dass er sich dann Sorgen um mich macht und mich dazu bringen würde, den Hitzeschlag doch anzunehmen und mir ein Taxi zu bestellen.
Gegen seine Sorgen wollte ich mich nicht abgrenzen müssen. Also entschied ich mich, ihm nichts zu sagen.
Und da er mit seiner eigenen Erfahrung beschäftigt war, nahm er auch mein rotes Gesicht nicht so besonders ernst.
Ich nahm all meine Kraft zusammen und fokussierte mich auf mein Ziel: zu Hause anzukommen. Zwei Stunden lang musste ich mich immer wieder motivieren und erneut darauf konzentrieren, es zu schaffen.
Und es wurde mir nicht leicht gemacht, denn der erste Bus, den ich nehmen wollte, war überfüllt, sodass ich auf den nächsten warten musste.
Aber ich blieb bei meinem Entschluss und wurde mir durch die scheinbaren Widerstände immer sicherer, was ich will.
Schließlich funktionierte es: Ich ließ mich von nichts abbringen.
Zu Hause angekommen, nahm ich noch eine Aspirin gegen die Kopfschmerzen und legte mich ins Bett zum Schlafen. In dieser Nacht schlief ich wunderbar und am nächsten Morgen war ich wieder völlig fit.
Ein paar Tage später reflektierte ich das Erlebte und mich überkam große Dankbarkeit darüber, dass ich die Chance hatte zu erfahren, wieviel Macht und Auswirkung meine Gedanken und meine Meinung auf meine Wirklichkeit haben. Dass, was ich denke und glaube, ist das, was ich erleben werde.
Ich erinnerte mich an zahlreiche Situationen, ich meinem Leben, an denen etwas nicht tat, was ich mit einst zutraute, allein deshalb, weil jemand anderes es infrage stellte.
Mit 28 Jahren hatte ich ein Buch geschrieben und damals in einem Selbstverlag veröffentlicht. Als es mein Opa in die Hand bekam, kritisierte er mich dafür im Rahmen einer Familienfeier vor allen Anwesenden. Ihm gefielt das Titelbild nicht und er fand es als zu wenig wissenschaftlich.
Ich war anschließend so entmutigt, dass ich das Buch einstampfte.
Und dass, obwohl ich von einigen anderen Menschen bereits positives Feedback erhalten hatte.
Anstatt zu verstehen, dass ich es war, die sich hat abbringen lassen und nicht mehr überzeugt von dem war, was sie tat, gab ich meinem Opa die Schuld dafür, dass ich das Buch eingestampft habe.
Denn schließlich war das völlig unsensibel von ihm eine junge Erwachsene vor versammelter Mannschaft so bloßzustellen. Er, als älterer und erfahrener Mensch hätte das doch wissen müssen!?!
Mit dieser Sichtweise und Schuldzuschreibung verschaffte ich mir kurzfristig ein wenig Luft.
Andere für den eigenen Schmerz verantwortlich zu machen, das erleichtert die eigene Situation erst einmal – scheinbar jedenfalls.
Aber als ich das nächste Projekt anging und veröffentlichte – diesmal war es ein erstes Video - passierte mir das Gleiche wieder.
Jemand sagte mir, was ihm daran nicht gefiel und was ich besser machen müsse, und ich resignierte. Wieder stampfte ich alles ein.
Erst jetzt begriff ich, dass ich
a) entweder sehr, sehr hart arbeiten müsse, um es allen Menschen recht zu machen, oder
b) nichts mehr tun sollte, was kritisiert werden könnte oder
c) es einfach machen müsse, ohne mir die Meinung der anderen zu Herzen zu nehmen.
Ich entschied mich für die dritte Variante.
Und deshalb erzählte ich Menschen, deren Meinung mir sehr wichtig war und die nicht so einfach ignorieren konnte zunächst nichts mehr von dem, was ich vorhatte.
Ich publizierte es einfach und wartete auf die Resonanz, die von außen kam.
Nun machte ich die Erfahrung, dass sich immer ein Publikum fand, welches es für sich wertschätzte.
Und schließlich konnte ich mir auch eine kritische Meinung anhören - ohne dass sie mich in meinem Tun beeinflussen musste.
Ich erkannte, dass es ganz normal ist, dass jeder die Welt durch seine Brille sieht. Meine – und auch deine - Existenz – wäre überflüssig, wenn es einen Zweiten gäbe, der die Dinge genauso sieht und tut wie ich und du.
Dafür sind wir hier, dass wir unsere Einzigartigkeit leben und uns darin zeigen!
Erhältst du ein ungewünschtes Feedback dazu, so nimm es, als das, was es ist: eine andere Sichtweise und Erfahrungswelt.
Sie schränkt dich erst dann ein, wenn du glaubst, sie sei besser oder wahrer als deine eigene.